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Schwierig, aber machbar: Becherwerk-Umbau bei Maerker Harburg

Nach nur zehn Arbeitstagen konnte das Becherwerk an der Zementmühle Nr. 8 bei Märker Zement in Harburg wieder in Betrieb gehen. Trotz schwieriger räumlicher Bedingungen wurde der Umbau in Rekordzeit abgeschlossen. Dabei erwies sich die Lage des Becherwerks im Zentrum der Mühlenhalle als größtes Hindernis. Da das Dach der Halle nicht geöffnet werden konnte, war ein Zugang von oben nicht möglich. Daher wurden alle notwendigen Teile des Becherwerks mit Zentralkette (Typ BW-Z) durch die Schlote knapp 27 Meter in die Höhe gezogen. Auch mit dem Becherwerkskopf wurde das so gemacht. Er wurde in Einzelteilen vorgefertigt und wurde erst auf der Arbeitsplattform montiert und verschweißt. „Trotz einer Vielzahl von Becherwerksumbauten war das auch für uns nicht alltäglich“, berichtet Peter Müller, der als  Projektleiter bei Aumund für den Umbau zuständig war. „Denn meistens können wir den vorhandenen Becherwerkskopf weiterverwenden.“

Der Umbau des Mittenaustragsbecherwerks sei nötig gewesen, da es keine Ersatzteile mehr gab, berichtet Märker Projektleiter Franz Ferber. „Zudem waren wir an mehr Flexibilität interessiert. Wenn die Kapazität der Mühle Nr. 8 steigen soll, dann muss das Becherwerk in der Lage sein, die steigenden Fördermengen zu bewältigen. Das ist jetzt der Fall.“

Auch die Frage der Wirtschaftlichkeit spielte eine Rolle, denn Umbauten sind oft eine interessante Alternative zum Neubau. So kann in vielen Fällen der vorhandene Stahlbau größtenteils weiterverwendet werden. Das senkt schon die Materialkosten um 30 Prozent im Vergleich zu einem Neubau. Zudem ist der Montageaufwand geringer und so ist in der Regel auch die Stillstandzeit deutlich kürzer. „Das sind sehr oft gute Argumente für einen Umbau,“ berichtet Müller.

Wie oft bei älteren Anlagen, gab es auch für dieses Becherwerk keine Zeichnungen mehr. Daher wurden alle relevanten Daten und Maße mit Hilfe von Erfassungsbögen, Fotos und Skizzen aufgenommen, um auf dieser Basis eine Planungszeichnung zu erstellen.

Nach dem Umbau hat das Becherwerk einen Achsabstand von 26,8 Metern. Es ist mit 151 Bechern ausgestattet, die jeweils 450 Millimeter breit sind und eine Ausladung von 280 Millimeter haben. Bei einem Füllungsgrad von 73 Prozent und einer Geschwindigkeit von 1,4 Meter pro Sekunde ergibt sich eine Förderleistung von 200 Tonnen pro Stunde und daraus eine potenzielle Steigerung der Kapazität um 38 Prozent.

Der  Stromverbrauch des Becherwerks wurde um ca. 5% gesenkt. Der  Hauptgrund dafür ist die Umstellung vom Schöpfen auf die direkte Befüllung der Becher. Dazu wurde der Einlauf etwas erhöht und sein Winkel auf 45 Grad verändert. Der ebenso erwünschte wie erfreuliche Nebeneffekt sind deutlich geringere Wartungskosten. Denn das Zentralkettenkonzept und die direkte Beladung reduzieren den Verschleiß an den Bechern, an den umlaufenden Teilen und am Antrieb.

Franz Ferber: „Das Becherwerk läuft sehr zuverlässig. Wir haben die notwendige Förderleistung, eine sehr gute Verfügbarkeit und dabei geringere Energie- und Wartungskosten.“